Travel Journal #2 – happy moment afloat

Die anfängliche Hitze, die sich schon vor dem Frühstück anbahnte, hielt auch den restlichen Tag an. Ich kramte in meiner Reisetasche nach dem Schwimmring, der sich irgendwo zwischen den gestreiften Flip Flops und der kleinen braunen Umhängetasche mit den Fransen befinden musste. Der neongelbe Schwimmring war schnell aufgepustet und noch schneller war ich in meinen neuen Bikini geschlüpft. Diesen hatte ich mir extra für diesen Urlaub gekauft. Nachdem ich die letzten 3 oder 4 Jahre immer den gleichen Bikini getragen habe, war es Zeit für einen Neuen.

Das Ferienhaus hat einen privaten Steg, der direkt hinter dem großen Garten liegt. Ich schlüpfte in die gestreiften Flip Flops und war unaufhaltbar Richtung Wasser unterwegs. „Tschüss, bis später!“ hörte ich mich sagen und verschwand mit meinem neongelben Schwimmring im See. Die Sonne brannte auf meiner Haut und ich sehnte mich nur noch nach Abkühlung. Ich ging zum Steg, warf den Schwimmring ins Wasser und steckte die Zehenspitzen der Wasseroberfläche entgegen. Erst ein Fuß, dann der andere. Ich formte mit meinen Händen eine Schale und schüttete das aufgefangene Wasser über mir aus. Brr!, dachte ich noch, bevor ich mich im nächsten Moment ziemlich ungalant auf den Schwimmring fallen ließ.

Ich stieß mich mit den Beinen gegen den Wind, der einige Wellen auf dem See bildete. Ich kam nur langsam voran, aber das macht nichts. Ich habe ja Zeit. Vorbei an der Entenfamilie, den Angler-Stegen und einem Katamaran, der im Schilf Halt gemacht hat. Vorbei an Schlauchbooten und Menschen, die auf Luftmatratzen brutzeln. Der See war heute klar. So klar, dass ich meinen eigenen Schatten auf dem Grund des Sees beobachten konnte. Tief konnte es hier noch nicht sein. Ein beruhigendes Gefühl, aufstehen zu können, sobald die Kräfte nachlassen würden.

Mittlerweile war ich am nächsten Strand angekommen. Dort möchte ich Kehrt machen und mich von den Wellen zurück an meinen Steg treiben lassen. Gesagt getan. Die neugierigen Blicke, die mich bei meiner „Hinreise“ schon beäugten, schienen belustigt über die Rückkehr der Paddelnden auf dem neongelben Schwimmring. Doch das kümmert mich nicht. An einem Angler-Steg mitten auf meiner Strecke machte ich halt. Ich schubste mich vom Schwimmring und legte ihn auf dem Steg ab. Dann klettere ich die kleine eiserne Leiter hinauf. Die Stufen waren bereits ein wenig angerostet. Oben angekommen beobachtete ich die Oberfläche genau. Lärchendielen, die durch die Feuchtigkeit bereits versilbert und leicht schwarz geworden waren. Ich konnte sie unter meinen Fußsohlen genau spüren. Sie waren glatt, aber einen Schiefer habe ich mir dann doch eingefangen. Hätte ich mein iPhone jetzt dabei, hätte ich diesen Boden festgehalten und vermutlich auf Instagram in einem #fromwhereistand geteilt. Ich musste lächeln. Dann schaute ich mich um. Der Wind schlug mir ins Gesicht und schien mich gleichzeitig auch zu umarmen. Ich musste einen Fuß zurücksetzten, um das Gleichgewicht zu halten. Ich breitete die Arme aus, schloss die Augen und atmete tief ein. Erschöpft von meiner Paddeltour übermannte mich ein Gefühl purer Glückseligkeit und Freiheit, als ich die Segelboote beobachtete, die wohl noch ein paar hundert Meter entfernt waren.

Ich legte mich auf den Steg. Beobachtete die kleinen Wolkenfetzen am Himmel, die vorbeizogen. Die Sonne trocknete die Wassertropfen auf meiner Haut. Ich lauschte den Wellen, die unter dem Steg an die Pfosten platschte. Den Windböen, die das Schilf verbogen und den Möwen. Nach einer Weile schien der geliebte Holzboden nicht mehr der bequemste zu sein und ich setzte mich an den Rand des Steges. Die Beine baumelten in der Luft und nur meine Zehenspitzen konnten das Wasser berühren. Wenn eine Welle kam, wurde auch mal der ganze Fuß mit Wasser umspült. Der korallefarbene Nagellack ließen sie irgendwie noch brauner erscheinen.

Ich beobachte noch eine Weile die Segelboote, die eine solche Ruhe ausstrahlen. Eine Entendame schwamm vorbei und als sie mich bemerkte verschwand sie rasch im Schilf. Ich richtete mich auf, streckte mich und atmete noch einmal tief ein und aus. Diesen Moment wollte ich so lange wie möglich im Gedächtnis behalten.

Ich ließ den Schwimmring wieder zu Wasser und stieg die schmalen Stufen der Leiter hinab. Ich verabschiedete mich in Gedanken von dem Steg und trat die Reise zum Ufer an.

Fortsetzung folgt … 

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