Die Sache mit der inneren Unruhe

Es kann ein Wort sein, ein Satz oder eine dahingesagte Floskel. Ein Blick oder eine Reaktion, welche mich beschäftigt. Ich bin aufgebracht und möchte schreien, kämpfen und meine Meinung darüber kund tun. Meinem Ärger Luft machen und das am besten sofort. Doch während ich beginne, vorschnell eine SMS zu tippen, habe ich die Worte meines Professors im Hinterkopf:

„Du kannst alles tun, was du für richtig hältst. Doch schlafe erst eine Nacht darüber.“

Ich liege wach und mein Kopf gibt einfach keine Ruhe. Es ist laut und wirr. Die Gedanken und Worte schießen nur so durch die Gegend und bieten sich einen endlosen Kampf. Sätze werden immer wieder neu formuliert und Aussagen immer wieder getroffen. Mal ändert sich ein Wort. Mal der ganze Satz. Doch nie finde ich die richtigen Worte. Vermutlich werde ich sie um diese Uhrzeit auch nicht mehr finden. Meine Stirn runzelt sich und ich versuche immer wieder mich selbst zu beruhigen. Ich bin wütend, bedrückt, verständnislos und traurig zugleich. Ich weiß nicht, was ich fühlen soll und wo der rote Faden ist. Ich gehe die Dinge immer wieder durch und komme auf keine schlüssige Antwort. Ich will verstehen und es mir erklären, doch ich kann es nicht. Die Harmonie, die ich brauche, um in die Traumwelt zu entschwinden, bleibt aus. Die Gedanken sind zu laut und so sehr ich versuche mich abzulenken, es will einfach nicht aufhören. Ich merke, wie die tiefe Falte auf meiner Stirn langsam beginnt, Kopfschmerzen zu verursachen. Ich will, dass die Stimmen Ruhe geben und ich diese gewisse Portion „ist mir doch egal“ gerade jetzt abrufen kann. Ich will, dass ich die Gedanken loslassen kann, wie einen Luftballon in den Himmel. Ich fühle mich wie gefesselt und versuche krampfhaft frei zu sein. Ich versuche neue Gedanken zu erfinden und von meiner inneren Unruhe abzulenken, doch die miesen Streitstifter sind immer wieder lauter. Ich frage mich, warum genau ich jetzt das fühle, was ich fühle. Ich beginne abzuwägen und spiele beide Wege im Kopf durch:

Gib Kontra!

Ich könnte rebellieren. Ich könnte Aussagen treffen, die ich später bereuen werde. Dinge sagen, die mein Leben ändern würden. Vermutlich würden sie Beziehungen zerstören, die ich aufgebaut habe. Sie könnten Menschen verletzen und verärgern. Dann müsste ich mit den Konsequenzen meiner Sturheit und Aufmüpfigkeit leben. Nur weil ich meine Emotion unbedingt kund tun wollte. Und ich frage mich: Ist es das wert? 

Doch lieber Akzeptanz?

Ich versuche, auch wenn ich es nicht verstehen kann, damit zu leben. Nicht gleich nach vorne durch preschen und auf Angriff gehen. Stattdessen versuche ich einen Weg zu finden, es zu akzeptieren. Besser gesagt, nachzugeben und den leichteren Weg zu wählen. Der Weg, auf dessen Reise ich lerne, Dinge hinzunehmen. Dinge nicht zu nah an mich heranzulassen, wenn sie es nicht wert sind. Über Dinge hinwegzusehen, die eigentlich weniger Bedeutung zugemessen bekommen sollten, als sie es im Moment von mir bekommen. 

Ich merke, wie sich die Stirn entspannt. Ich atme dreimal tief ein und wieder aus. Ich merke, wie ich beginne erleichtert zu lächeln und lasse beim letzten Ausatmen den bösen Gedanken los. Ich merke, wie das Bild in meinem Kopf klarer wird. Ich bin froh, über die Dinge, welche mein Leben bereichern. Und froh, auch mal zurückgesteckt zu haben. Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus, denke ich. Ich lächle und schlafe ein.

 

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